DIE ILLUSION DER EINSAMKEIT

Entscheidungen

Immer wieder bin ich durch die Menschen denen ich begegnet bin auf das Thema der Einsamkeit gestoßen. Jedes Mal ist das Mitgefühl für diese Menschen, die sich allein fühlen an mir hängen geblieben und hat eine neugierige Suche in meinem Kopf gestartet.

Wirklich allein habe ich mich nie gefühlt, denn schon seit meiner Kindheit fühlte ich mich mit der Welt verbunden und beschützt, obwohl ich oft mit meinen Beschäftigungen oder Interessen unter den Menschen in meiner Umgebung allein war. Eine Nuance dieses Gefühls des Alleinseins kenne ich jedoch aus einer Zeit von mehreren Jahren in der ich den Eindruck hatte, dass ich nicht die richtigen Menschen um mich herum habe.

Ich habe mich gefragt in welcher Weise wir verantwortlich für unser Alleinsein sind. Irgendetwas in mir hat schon immer darauf hingedeutet, dass das Gefühl der Einsamkeit nichts mit den Menschen um einen herum zu tun hat, sondern mit einer inneren Einstellung.

So schaute und beobachtete ich immer intensiver, woher das kommt und was das zu bedeuten hat.

Hier ist, was ich herausgefunden habe:
So überraschend es klingt, ist das Alleinsein eine Wahl, die wir treffen. Es ist eine mehr oder weniger bewusste Entscheidung.
Aber wenn ich eine Definition des Alleinsein zusammenstellen müsste, dann wäre sie diese:

Alleinsein = verschlossenes Herz

Das mag dich jetzt vielleicht überraschen oder sogar irritieren und ich erwarte nicht, dass du das einfach so glaubst. Ich möchte dir zeigen, warum ich zu diesen Schlußfolgerungen kam.

Lass uns zusammen überlegen, was Einsamkeit für jemanden wirklich bedeutet. Was hat jemand, der sich allein fühlt für Gedanken und Überzeugungen? Hier sind zwei Gruppen von Beispielen – eine mit Überzeugungen bezogen auf andere Menschen und die andere mit Überzeugungen bezogen auf sich selbst:

 

1. BEZOGEN AUF ANDERE

“Es ist niemand für mich da.”
“Niemand versteht mich.”
“Niemand weiß, was ich durchmache.”
“Alle sind mit anderen Sachen beschäftigt.”
“Es gibt niemanden, der das so sieht wie ich.”
“Wenn ich etwas richtig haben will, muss ich es allein machen.“
“Die wissen nicht worüber ich rede.”
“Die verstehen das nicht.”
“Es ist sinnlos, es den anderen zu erklären.”
“Da gibt es nichts Gutes zu sehen, hören, erfahren etc.”

 

2. BEZOGEN AUF SICH SELBST

“Ich bin immer anders.”
“Ich bin eh nicht gut genug.”
“Es gibt keine Zeit für mich.”
“Ich störe nur.”

Was fällt dir auf, wenn du diese Sätze liest? Nimm dir einige Minuten Zeit um darüber nachzudenken.

Wenn du Lust hast lese erst weiter, wenn du selber einige Schlußfolgerungen zusammengefasst hast, bevor du von meinen Perspektiven dazu beeinflusst wirst.

 

HIER IST, WAS WIR AUS DER ERSTEN GRUPPE HERAUSNEHMEN KÖNNEN: 

 

Es gibt eine Grundüberzeugung, dass niemand gut genug für einen ist. Es ist ein komplett fehlendes Vertrauen in den Menschen. Überzeugungen wie “niemand versteht mich” sind Einbildungen und stehen für die Wahl nicht nach außen zu schauen. Ohren, Augen sind zu und somit ist das Herz zu. Zu sagen, dass man mit einem Problem allein ist, ist heutzutage nur eine Entscheidung sich zu isolieren. Diese kann bewusst oder unbewusst stattfinden und hat als Grundlage verschiedene Ängste, wie zum Beispiel die Angst verletzt zu werden.

Jemand, der so denkt verschließt sich von allen Möglichkeiten, dass ein anderer tatsächlich verstehen kann und sogar helfen kann. Vielleicht sind 0.0000001 Prozent der Dinge, die jemand durchmacht, völlig einzigartig und sind niemandem anderen passiert (wobei es auch hierfür Menschen gibt, die bereit sind für einen da zu sein). Für alles andere gibt es Menschen, die perfekt verstehen, wo man sich befindet, weil sie dasselbe am eigenen Leib erfahren haben.

Obwohl das überraschend klingt, haben Menschen, die sich allein fühlen oft die Überzeugung, dass sie etwas Besseres sind als andere. Jedoch kann diese Überzeugung sehr tief sitzen, sodass sie es selbst nicht merken.

So verschließt sich das Herz gegenüber anderen Menschen und gegenüber Möglichkeiten von Lösungen.
Sogar Businessexperten und Finanzcoaches sagen, dass das Wachstum da aufhört, wo die Überzeugung “Wenn du es richtig haben willst, musst du es selber machen.” aufkommt.

Zu glauben, dass man allein ist, weil niemand für einen da ist, ist eine Illusion und je früher wir bereit sind aus ihr auszutreten, desto schneller entwickeln wir Lebensfreude.
Ja, wir sind einzigartig und das kann bei dir vielleicht die Frage aufbringen: Wie soll mich jemand anderes wirklich verstehen, wenn ich einzigartig bin? Auch das ist eine Illusion. Das menschliche Gehirn und der Geist sind im Stande viel mehr wahrzunehmen und zu verstehen als was sie selber darstellen. Wir können Einzigartigkeit verstehen und wir mögen sie sogar, wir suchen sie. Deswegen gibt es Gefühle wie Empathie, Neugier, Barmherzigkeit. Gerade unsere Einzigartigkeit verbindet uns.

Wenn wir unser Herz für Möglichkeiten öffnen: für die Möglichkeit, dass jemand anderes genau versteht, wo wir sind, für die Möglichkeit, dass jemand es besser weiß als wir, für die Möglichkeit, dass wir vielleicht einen falschen Eindruck über Dinge haben, für die Möglichkeit, das jemand intelligenter ist als wir es im ersten Augenblick glauben etc. dann können wir nicht allein sein. Und indem wir Vertrauen in den anderen Menschen setzen, pflanzen wir den ersten Samen der Hilfsbereitschaft und des Willens etwas Gutes für uns zu machen ein.

 

AUS DER ZWEITEN GRUPPE KÖNNEN WIR FOLGENDES HERAUSNEHMEN:

 

Hier gibt es vielleicht Vertrauen in den anderen, aber nicht in sich selbst. Die Grundhaltung hierfür ist, dass man nicht gut genug ist und dass andere besser sind als man selber.
Hier ist das Herz gegenüber sich selbst verschlossen und somit kann es es gar nicht erleben, was es bedeutet sich gegenüber anderen zu öffnen.
Man ist allein, weil man denkt, man sei es nicht Wert die Liebe, die Zeit, die Hilfe oder die Aufmerksamkeit anderer zu bekommen.

Oft sind die Gefühle dahinter Scham oder die Angst andere zu enttäuschen.

Wie in der ersten Kategorie, sind auch diese Überzeugungen illusorisch. Die Wahrnehmung über sich selbst ist verzerrt und auch hier ist eine bewusste oder unbewusste Entscheidung sich zu isolieren.

Niemand ist perfekt und niemand kann von jemand anderen erwarten perfekt zu sein. Wenn wir unser Herz gegenüber uns selbst öffnen, uns bewusst machen, dass jeder wertvoll ist und kein Menschenleben an einem anderen gemessen werden kann, wird das Gefühl des Alleinseins verschwinden.

 

Wenn du unter denjenigen Menschen bist, die unter dem Gefühl der Einsamkeit leiden, mache dir bewusst, dass du etwas verändern kannst. Fordere dich heraus, dir und anderen zu vertrauen. Eine ganz wichtige Sache hier ist die Neugier. Wecke deine Neugier. Springe aus deiner Komfortzone heraus und nimm eine innere Haltung an, dass dir alle Wege offen stehen. Untersuche, wo dein Herz verschlossen ist und spüre in dir, was du machen kannst um es langsam zu öffnen.

Zwischen dir und jemandem, der sich nicht alleine fühlt ist der Unterschied der Wille sich selbst und anderen Chancen zu geben – ein offenes Herz für sich selbst und andere zu haben. Ein Grundvertrauen im Lauf des Lebens ist da und gibt Kraft.

Einsamkeit ist kein Zustand, der unveränderbar ist. Es kann befreit werden und man kann es sich antrainieren die Verbundenheit und die Freude des Zusammenseins mit anderen zu spüren.
In allem, was wir machen gibt es kaum eine größere, heilendere Kraft, als die Freude des Beisammenseins, als das Teilen von traurigen und glücklichen Momenten. Hier eröffnet sich das Material eines ganzen Buches um die Schönheit des Zusammenseins zu zeigen, aber das lasse ich dich selbst vor deinem geistigen Auge abspielen.

Meine Einladung hierzu ist dir einige Augenblicke zu nehmen um an die Momente aus deinem Leben oder das Leben anderer zu denken, in denen die Freude des Teilens sehr präsent war.

Möchtest du mir so einen Moment mitteilen? Das würde mir riesige Freude bereiten.

Inspiration

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Der schnellste Weg zu Leichtigkeit: den Stolz für wie schwer man es hatte und wie stark man dabei war loslassen!