Loslassen und Zulassen

Veränderung

Weil wir ständig lernen zwischen Gut und Böse zu unterscheiden und alle Daten zu analysieren, um die best mögliche Entscheidung zu treffen, wissen wir nicht mehr, was es bedeutet unbekümmert das Leben passieren zu lassen.

Wir lernen immer mit offenen Augen zu laufen, damit wir auf keinen Fall etwas verpassen und damit wir auf keinen Fall in Gefahr kommen. Wir lernen, dass wir unsere Zeit, unsere Ressourcen ständig unter Kontrolle halten müssen und sie nicht aus dem Auge lassen dürfen.

Zulassen, dass das Leben passiert und den Wunsch zu kontrollieren loslassen sind utopische Konzepte geworden. Unser Gehirn sagt uns dasselbe Gedicht seit Beginn der Menschheit: du musst dich vor Gefahren schützen. Für den Urmenschen, dessen Bewusstseinsniveau sehr niedrig war, war es die einzige Überlebenschance, auf diese Gedanken zu hören.

Mit der Evolution entwickelte sich unser Bewusstseinsniveau und wir erfuhren und erfahren es jetzt noch, dass es andere Dimensionen in uns gibt, als die, die wir sehen. Wir erfahren von der Kraft unseres Denkens und unseres Unterbewusstseins und von der Kraft unser Dasein selbst zu bestimmen (nicht das Leben) durch die Werte, nach denen wir leben. Werkzeuge, die in der Vergangenheit nötig waren, sind jetzt überflüssig. Genauso ist es auch auf der Bewusstseinsebene.

In der Spiritualität erfahren wir, dass wir kein Zufall sind und dass die Art in der Dinge in unserem Leben passieren nicht zufällig ist.

Die Werte und Prinzipien, die wir kultivieren bilden unsere Realität. Warum? Weil sie unsere Wahrnehmung definieren.

Die Ängste und der Zwang das Leben kontrollieren zu wollen machen keinen Sinn für den Menschen mit höherem Bewusstsein. Sie sind nur Spuren unserer Geschichte und sobald wir sie ablegen, fängt das Leben an Spaß zu machen.

Es fällt uns schwer loszulassen, denn wir denken, dass wir dadurch etwas, was wir uns wünschen, aufgeben oder sogar uns selbst aufgeben. Es fällt uns auch schwer zuzulassen, dass Dinge passieren, weil wir Angst haben, dass wir uns schuldig fühlen werden, falls es schief läuft und wir nicht eingegriffen haben. Wir haben die Illusion der Kontrolle, weil Kontrolle in einer anderen Form früher Sinn gemacht hat.

Jetzt könnte man sagen: natürlich funktioniert Kontrolle, ist das nicht Kontrolle, dass ich einen Regenschirm mitnehme und somit trocken bleibe, wenn es regnet? Ist es nicht Kontrolle, dass ich meine Finanzen plane, damit alles, was ich an Ausgaben und Einnahmen habe, im Gleichgewicht bleiben?
Nein, das ist es nicht. Das ist die mühsame Planung dessen, was passieren könnte. Du kannst der beste Planer der Welt sein, denn wenn die Natur ihre Spontaneität einsetzt hast du keine Chance. Du kannst 10 Regenschirme mitnehmen. Wenn du die Erfahrung brauchst durch den Regen laufen zu müssen und nass werden zu müssen, wird das passieren. Kontrolle ist eine Illusion – Zeitverschwendung mit der Zukunft anstatt im Jetzt zu sein.

Man könnte sich jetzt stark irritiert fühlen, weil man beweisen kann, dass etwas weniger schlimm für jemanden war, weil er sich darauf vorbereitet hat. Ich glaube es ist weniger schlimm gewesen, weil die Erfahrung, dass es schlimm ist, für diese Person nicht nötig war.
Das heißt nicht, dass man handlungslos warten soll bis sich etwas ändert. Genau das Gegenteil passiert, wenn man Kontrolle loslässt. Man bekommt eine natürliche Lust dem zu folgen, was man wirklich will und achtsam Schritte in diese Richtung zu machen ohne die Bedingung eines bestimmten Ergebnisses. Das passiert aus der puren Freude des “im Jetzt sein”.

Es gibt Dinge, die passieren müssen und sie passieren einfach und es gibt Dinge, die wir ändern können. Wenn wir Veränderung wollen, dann können wir das nur in unserem Inneren machen, denn die Dinge über die wir Einfluss haben, sind die, die die Spiegelung unserer inneren Welt darstellen.

Die Worte Reinhold Niebuhr’s sagen:

“Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,
den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann,
und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.”

Was ich oben damit meine, dass eine Erfahrung nötig ist, ist dass wir in unserem Inneren etwas haben, das diese Erfahrung anzieht. Warum? Weil wir im Unterbewusstsein wie ein Netz an Programmen haben nach denen wir funktionieren. Diese Programme sind meistens in Form von Überzeugungen.

Wenn man die Überzeugung hat “Ich bin ein Opfer” werden wir immer unterbewusst Situationen in unserem Leben manifestieren, die uns in diese Rolle reinbringen. So ziehen wir Menschen und Situationen an, die uns in die Opferrolle setzen. Es ist wie eine Bedingung. Man kann hier planen und sich schützen, wie man will.

Das Unterbewusstsein hat immer Vorrang und wird das manifestieren, was in ihm gespeichert ist. Wir können das aber beeinflussen, was wir in unserem Inneren speichern und somit Dinge in unser Leben anziehen, die uns Spaß machen und uns gefallen.

Es ist dabei wichtig zu verstehen, dass der letzte Entscheidungsschritt nicht bei uns liegt. Wir fühlen etwas, haben eine Intention etwas zu verändern, um näher an das zu kommen, was wir wollen, wir folgen den Schritten, die wir für wichtig halten, um ans Ziel zu kommen, aber ab da ist es am besten loszulassen und das Ergebnis abzugeben. Wir haben keine Kontrolle über das Ergebnis. Die Anhänglichkeit an das perfekte Ergebnis ist der Anfang des Leidens. Je mehr wir zulassen, dass die Dinge ihren Fluss nehmen, (eine schwere Übung für das Ego) nachdem wir die Intention klar gesetzt haben, desto mehr Göttlichkeit fließt in unsere Handlungen und die Ergebnisse erreichen die Ebene des Erhabenen.

Wir wissen, dass wir etwas losgelassen haben oder zugelassen haben, wenn unser innerer Frieden unbeeinflusst vom Ergebnis bleibt.

Auf der anderen Seite passieren manche Dinge, weil sie passieren müssen und haben mit viel komplexeren Themen zu tun, wie zum Beispiel das Kharma. Es gibt hierzu viele Theorien, aber die sind hier nicht wichtig. Es reicht zu sagen, dass es Dinge außerhalb von uns gibt, die mitentscheiden, ob etwas sich ändern kann oder nicht. Die eigene „Bestimmung“ wäre ein Teil davon (die aber auch unsere Seele gewählt hat). Ich kann wollen, dass meine Aufgabe in diesem Leben die eines Sängers ist, aber ich kann das nicht ändern, wenn all meine Fähigkeiten und Talente auf etwas anderes deuten. Das Wichtigste ist, den Weg anzunehmen und die Wahrnehmung anzupassen. Sie entscheidet über das, was wir außerhalb von uns als Leid oder Freude empfinden. Dieser ist der Teil, über den wir völlige Macht haben.

Loslassen und zulassen sind also immer die richtigen Wege, denn entweder haben wir keine Kontrolle über die Dinge, die passieren, oder wenn uns manches in unserem Leben nicht gefällt oder uns Angst macht können wir schauen, was aus unserem Unterbewusstsein sie am Leben hält und das verändern – mit dem Wissen, dass Garantien für Ergebnisse nicht existieren können.

Mache dir bewusst, was du willst, fühle, ob das im Einklang mit deiner inneren Stimme ist, fange an achtsam Schritte in die Richtung, die du fühlst zu machen und lasse das Ergebnis los. Lasse zu, dass alles fließt und vertraue darauf, dass auch wenn du an dein ursprüngliches Ziel vorbeigehst, das Leben dich zu einem viel wichtigeren Ergebnis führt.

Loslassen. Zulassen. Vertrauen.

Inspiration

Baue nicht auf, baue ab!

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